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Latenzzeit meint den Zeitraum zwischen schädlicher Einwirkung
eines Arbeitsstoffes und Ausbruch der Erkrankung. Bei den Asbestmesotheliomen
kennt man eine sogenannte 30 Jahresregel der Latenzzeit im Rahmen
einer Bandbreite von wenigen Jahren bis 50 Jahren. Bei der Herstellung
und Bearbeitung von Dichlordimethyläther wurde eine Häufung
von Bronchialkarzinomen mit auffallend geringer Latenzzeit beobachtet.
Kurze Latenzzeiten können auch bei Strahlenschäden imponieren
bzw. eine Besonderheit sein.
L wie Leber
Erkrankungen der Leber durch Dimethylformamid, ein Lösemittel,
werden unter Nr. 1316 der Berufskrankheitenliste entschädigt.
Der Arbeitsstoff findet breiten industriellen Einsatz. An Arbeitsplätzen
liegt DMF als farblose Flüssigkeit vor. Dimethylformamid
ist wenig geruchsintensiv, weshalb eine nennenswerte Warnwirkung
bei niedrigen Konzentrationen entfällt.
Gefahrenquellen:
Hauptabnehmer für DMF ist die Kunstlederproduktion. DMF
wird insbesondere auch in der Produktion von Polyacrylnitrilfasern,
von Pflanzenschutzmitteln, von Speziallacken sowie bei der Kunststoffbeschichtung
(Polyurethane) verwendet. Früher fand DMF auch Anwendung
zur Herstellung von pharmazeutischen und kosmetischen Produkten.
Sowohl bei dermaler als auch bei inhalativer Aufnahme, d.h. bei
Aufnahme über die Haut oder durch die Atemorgane wird DMF
rasch im Organismus verteilt. Kritisches Zielorgan ist die Leber.
Es ist schwierig, zwischen alkoholinduzierter und toxischer Hepatopathie
zu differenzieren, wie es im Merkblatt des BMA wörtlich heißt.
Tip: Berufliche Mitursächlichkeit der toxischen Verursachung
durch einen giftigen Arbeitsstoff reicht vollauf.
Haben Sie zusätzlich Alkohol getrunken, hat offenbar der
berufliche Schadstoff umso leichteres Spiel, was eine klassische
Mitursächlichkeit der beruflichen Noxe (Krankheitsursache)
bedeutet. Ob darüber hinaus Zyklusstörungen und eine
Häufung von Aborten bei Frauen durch DMF hervorgerufen werden
und Fruchtschädigungen, wird in der wissenschaftlichen Begründung
zur Berufskrankheit 1316 immerhin andiskutiert. In der Literatur
würden sich überdies Hinweise für eine Inzidenz
von testikulären Tumoren und von Malignomen im Bereich der
Mundhöhle und des Pharynx finden. Ob Hodenkrebsfälle,
Leberkrebs, Prostatakarzinom, Mundhöhlen- und Rachenkrebs
durch DMF verursacht werden können, wird in der Begründung
zur BK 1316 erörtert, aber offenbar nicht entschieden.
Tip: Im Einzelfall kann eine Berufskrankheit nach neuer Erkenntnis
in Betracht kommen, siehe zu Q wie Quasiberufskrankheit.
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